Die Hübnerschaft

In Tolkiens „Herr der Ringe“, und also inzwischen weltbekannt, gibt es einen „Hüter des Waldes“ – wussten Sie, dass es dies auch bei uns gibt?

Die Mainstockheimer „Hüter des Waldes“ sind wahrscheinlich eine der ältesten Vereinigungen unserer Gemeinde!
Doch leider ist dies nicht belegbar, denn beim verheerenden Rathausbrand von 1831 wurden alle Unterlagen vernichtet. Jedoch existieren noch eine Vereinstruhe mit der Jahreszahl 1836, schriftliche Erwähnungen von 1832 sowie ein Protokollbuch mit dem ersten Eintrag von 1884 der „Waldkörperschaft“, die noch heute als „Hübnerschaft“ existiert.
Wer sind die „Hübner“, was machen sie?
Sie verstehen ihre Aufgabe ähnlich der des Hüters des Waldes im „Herr der Ringe“. Sie hegen und pflegen unseren Gemeindewald, also eigentlich das letzte Stück Natur in unserer Gemeinde, das nicht intensivst genutzt und bewirtschaftet und also relativ naturbelassen wird.
Die „Hübnerschaft“ besteht aus 53 Mitgliedern, die zusammen etwa 23 Hektar Wald in der Giebelau und 7 Hektar Feld besitzen. Die Felder sind verpachtet, der Wald jedoch wird gemeinschaftlich genutzt und mit Blick auf Langfristigkeit gehegt und gepflegt. Wie schon die „Ur-Hübner“ den Bestandsschutz stets bedachten, sind auch die derzeitigen Hübner um Kontinuität bemüht.
Ende der 90er Jahre begann man mit Blick auf einen nachhaltigen Mischwald (ohne Nadelbäume) zu wirtschaften, also den Schwerpunkt auf Mittelwaldbewirtschaftung zu legen. Dies hieß auch, keinen Kahlschlag zu betreiben, sondern z.B. gezielte Durchforstung / Baumnutzung alle zwei Jahre. Eine der Folgen dieser Baumartenvielfalt war, dass Schädlinge, wie z.B. die gefürchtete Prozessionsspinnerraupe, wirksam eingedämmt wurden.
Solch ein Waldbewirtschaftungskonzept zielt nicht nur auf Jahre, sondern auf mehr als eine Menschengeneration.
Auch deshalb können wir heute als Waldspaziergänger im Riedwald neben vielen jungen natürlichen Stockaustrieben auch weit über 100-jährige Eichen erleben und ein Miteinander von Flora und Fauna, das relativ einmalig ist. Dies ist vor allem – im besten Sinne des Wortes – dem Wertkonservatismus der „Hübner“ zu danken.
Ein Nachteil ist allerdings: die „Hübner“ betreiben kaum Öffentlichkeitsarbeit, sie werben nicht um Nachwuchs. Sie hüten einfach den Wald – vor allem auch für uns.

1.Vorstand
Lothar Lang
Bild

Foto: Martin Geyer